Habe ich ein Alkoholproblem, obwohl ich abends nur ein Glas trinke?

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Dieser Blogpost beginnt mit ein paar Zeilen, die meine Hörerin Andrea mir geschickt hat:

“Liebe Nathalie,
ich kenne keine Abstürze. Ich habe immer aufhören können, bevor ich mein Bewusstsein verlor. Es ist mir auch nie passiert, dass ich einen Filmriss hatte oder neben einem Mann aufgewacht bin, für den ich mich schämen musste. Ich habe den Zustand betrunken zu sein anfangs auch überhaupt nicht gemocht. Ich trank, um meine Gedanken runterfahren zu können. Ich trank immer in Maßen, immer nur ein Gläschen, aber regelmäßig und immer wieder.”

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#12 Was Du gegen Suchtverlagerung tun kannst – mit Carina Teutenberg

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Carina Teutenberg und ich sprechen über Suchtverlagerung. Sowohl über die klassische Sichtweise aufs Thema als auch über eine Perspektive, die Dich genauso erhellen und bereichern könnte wie mich.

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Dann saß ich bei meinem Arbeitgeber und zog blank

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Der Bayerische Rundfunk hat heute ein Interview mit mir gesendet, das ich schon Anfang Oktober gegeben habe. Also kurz nach meinem Podcaststart. Als ich das jetzt wieder hörte, katapultierte es mich in die damalige Situation zurück. An diesen Tag vor einem Dreivierteljahr, an dem ich von Rosenheim nach München fuhr, um zum ersten Mal im Radio über meine Alkoholabhängigkeit zu sprechen.

Ich kam im Funkhaus an und setzte mich in eines der Studios, in denen ich über die Jahre hinweg unzählige meiner Beiträge vertont hatte. Viele davon verkatert. Mir gegenüber saß meine Kollegin, mit der ich mich schon immer gut verstand, der ich bei vielen unserer Gespräche aber nicht direkt ins Gesicht geschaut hatte. Aus Angst, sie könnte meine Fahne riechen.

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Wie das Glück zurückkehrt, wenn wir keinen Alkohol mehr trinken

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als ich in der zwölften Klasse war, beobachtete ich eine Szene, die ich nie wieder vergessen hab’: Mein Mitschüler Henning stand nach seinem Mathe-LK an einer bis in die Ecken vollgeschriebenen Tafel. Ein einziges Gewusel aus Zahlen und Zeichen, das für mich absolut keinen Sinn ergab. Henning war dabei, irgendeine meterlange Gleichung zu lösen. Er quetschte noch ein paar Ziffern in die unterste Ecke, trat einen Schritt zurück, fing an zu strahlen und sagte: “Diese Lösung hat Charme.”

Ich musste so lachen und dachte nur: Wow, wir leben echt in völlig verschiedenen Welten. Ich wäre im Traum nicht darauf gekommen, Mathematik mit dem Wort “Charme” in Verbindung zu bringen. Aber diese ganze Zuneigung in Hennings Blick, seinen Worten und seiner Stimme verdeutlichte mir damals etwas, das mir seitdem immer wieder begegnet: Unsere Gefühle sind ähnlich, wir haben nur alle eine andere Sprache, mit der wir sie ausdrücken.

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Warum haben wir betrunken schlechten Sex?

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“Nathalie! Hey, Süße, warte mal!” Ich zucke zusammen. Süße? Bitte nicht. Ein Dienstagmorgen in München Schwabing, vor ungefähr fünf Jahren. Mein letzter Totalabsturz liegt ein paar Tage zurück. Mir geht es relativ gut, wie immer an alkoholfreien Tagen. Doch als ich mich jetzt umdrehe, gefriert mir das Blut in den Adern. Ein mittelalter Mann mit Umhängetasche und Ringelpulli rennt auf mich zu. Als ich sein Gesicht sehe, flackert eine Szene in meinem Kopf auf – er auf mir, keuchend. Einer meiner One-Night-Stands. Ich gehe weiter und will so tun, als hätte ich ihn nicht erkannt, aber da fasst er mich auch schon am Oberarm: “Hey Nathalie, was wir da hatten letztens”, hechel, hechel, “das fand ich total schön. Das könnten wir doch auf regelmäßiger Basis fortführen, oder?”

Ich schaue ihn an und weiß nicht, was ich sagen soll. Wie so oft in dieser Zeit. Ich habe zwar ein Gefühl von “Ich fand das überhaupt nicht schön. Lass mich in Ruhe”, aber ich kann die Worte nicht finden. Er redet weiter: “Könntest Du Dir das vorstellen, eine Affäre mit mir? Wir müssten natürlich immer zu Dir, damit meine Frau und meine Kinder nichts mitbekommen.” Ich will nur noch weg. “Sag doch mal, wie findest Du das?” Er ist ganz hingerissen von seiner Idee. Ich stammle irgendeinen unverbindlichen Quatsch, flüchte in die U-Bahn und hinterlasse uns beide ratlos. Ich bin angewidert. Von ihm, von mir, von der Vorstellung, mich noch mal von ihm anfassen zu lassen. Von meiner eigenen Unfähigkeit, mich davor zu schützen. Was ist bloß los mit mir?

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