Auch nach vielen nüchternen Jahren taucht sie immer mal wieder auf: die Dankbarkeit dafür, den Schritt in ein Leben ohne Alkohol gegangen zu sein. Meine Programmteilnehmerin Nicole hat das vor rund fünf Jahren getan. Anlässlich ihres Jubiläums hat sie meinem Team und mir eine Mail geschrieben, die ich mit Dir teilen darf:
Nicole
Mein Leben war durch die Alkoholsucht außer Kontrolle geraten. Und damit meine ich gar nicht die äußeren Umstände. Ich war – wie so viele andere Süchtige – nach außen überhaupt nicht als solche zu erkennen. Ich bin meinem Job nachgegangen, war gut gekleidet und gepflegt, habe mich alleinerziehend liebevoll um meine damals noch kleine Tochter gekümmert, gekocht, geputzt, gewaschen. Habe funktioniert. Und dabei irgendwie existiert. Sobald ich aber nach der Arbeit alleine zu Hause war, was jede Woche zwei- bis viermal der Fall war, habe ich sofort erst die erste und später die zweite Flasche Weißwein geleert. Zum Teil bin ich betrunken um kurz vor Mitternacht losgefahren (mit dem Rad – Gott weiß, wie das jedes Mal unfallfrei geklappt hat), um mir Nachschub zu besorgen.
So ging das jahrelang. Auf Partys war ich die Letzte, bin immer erst lustig und ausgelassen, mit zunehmendem Promillespiegel dann aggressiv und unangenehm gewesen. Und jeden einzelnen Morgen nach einem Trinkabend kam das schlechte Gewissen. Und all die miesen Gedanken, die ich mir am Vorabend schön- oder weggetrunken hatte, waren wieder da, und zwar meistens doppelt und dreifach so schlimm.
Irgendwann habe ich zu mir gesagt: "Wenn du so weitermachst wie jetzt, überlebst du das nicht mehr lange.” Mein Wochendurchschnittskonsum an Alkohol lag zu dem Zeitpunkt bei mindestens sieben Litern Wein, Sekt oder Bier. Wenn ich am Wochenende gefeiert habe, bei nochmal drei Litern obendrauf.
Jahrelang.
Als ich Nathalie vor ein paar Jahren in einer Talkshow gesehen habe und sie so "normal" war und eben nicht die Alkoholikerin, die man sich klischeehaft vorstellt, habe ich gedacht: "Okay, es gibt noch mehr von uns. Ich bin nicht die Einzige, der es so geht und bestimmt nicht die Einzige, die weg vom Alkohol möchte. Also versuche ich das auch."
Allerdings kamen vorher noch ein paar Trinkabende dazu. Der 19.06.2021 war für mich der Abend, der das Fass wortwörtlich zum Überlaufen gebracht hat. Mit wilden Beschimpfungen bei Freunden an deren Gäste, kaputtgeworfenen Gläsern und im Anschluss noch Hassnachrichten per Whatsapp an andere Freunde. Ich war am nächsten Morgen so schockiert, dass ich mir gesagt habe: "Heute ist der erste Tag meines Lebens ohne Alkohol."
Nun sind es fast fünf Jahre ohne Alkohol. Ich habe aufgehört zu existieren und angefangen zu leben. Habe das 30-Tage-Programm gemacht, Tagebuch geführt und mich in der OAMN Onlinegruppe ausgetauscht. Ich habe jeden einzelnen nüchternen Tag gefeiert. Das Gefühl, keinen Alkohol mehr zu "brauchen", kam bei mir recht schnell. Was aber passiert ist: Alle verdrängten Emotionen wurden an die Oberfläche gespült. Das war ein heftiger Prozess, der mich sehr viel Kraft gekostet hat – aus dem ich so unglaublich stark und voller Energie herausgegangen bin, dass ich heute ein neuer Mensch bin. Ich selbst. Endlich.
Dafür möchte ich euch, dem ganzen Team von OAMN, von Herzen DANKE sagen! Immer war jemand da, wenn ich Fragen hatte und hat mir so verständnisvoll und ausführlich geantwortet. Ohne euch hätte ich das nicht geschafft. Und dafür bin ich dankbar, an jedem einzelnen Tag.
Solltest Du Interesse am 30-Tage-Programm haben, schau gern mal hier. Du kannst aber auch gern an mein Team schreiben, solltest Du noch Fragen haben.
Und wenn Du Lust hast, Dich mit nüchternen Weggefährten zu vernetzen und einen Tag voller Erkenntnisse, Kraft und Freude zu erleben: Das kannst Du auf dem diesjährigen OAMN Sommerkongress in Köln. In meinem aktuellen YouTube Video erfährst Du, warum sich das für Dich lohnen könnte. :)
