Ein Jahr ohne Alkohol – warum Nele ihre Challenge abgebrochen hat

Kurz nach meinem Podcaststart vor einem Jahr schrieb mir die Unternehmerin und Autorin Nele Kreißig. Sie werde jetzt eine Challenge starten: 365 Tage ohne Alkohol, ein Jahr. Sie sei auf das Thema gestoßen, habe meinen Podcast gehört und sich abgeholt gefühlt. Von meiner Geschichte, aber vor allem auch von der Erklärung, dass wir unseren Alkoholkonsum intellektualisieren, um ihn zu rechtfertigen. Darüber spreche ich ja in meiner zweiten Folge mit Daniel Schreiber. Daniel sagt darin:

“Menschen haben eine ungeheure Fähigkeit zur Selbsttäuschung. Wir alle erzählen uns Geschichten über uns selbst und über unser Leben, die nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen (…) Und das Interessante ist sogar, dass Leute, die nicht aus dem klassischen Bildungsbürgertum kommen, sondern, meinetwegen, sehr schlecht bezahlte Jobs haben, dass die oft tatsächlich schneller nüchtern werden. Und das hat damit zu tun – das fand ich ‘ne sehr interessante Studie – dass wenn man aus so einer wohlhabenden Schicht kommt, dass man sich bessere Fassaden aufbauen kann. Dass man sich bessere Geschichten erzählen kann. Dass man sich länger erzählen kann, dass man nur trinkt, weil man das Terroir dieses bestimmten Weines mag. Dass man sich länger erzählen kann, dass es eine ganz andere Sache ist, sich in einem Luxushotel in Dubai zu betrinken als zu Hause vor dem Fernseher.”

Das traf auch bei Nele ins Schwarze. Ihre Geschichte lautete so: aufgewachsen in einer schicken Hamburger Gegend, intelligent und kultiviert, beschäftigt sich in ihrer Freizeit gern mit edlem Wein. Ja, sie ist eine echte Kennerin, lässt sich sogar ausbilden, sammelt Zertifikate. Es gab halt nur ein Problem, wie Nele mir damals sagte: “Mein Glas Wein war mein regelmäßiger Begleiter. Und um jetzt ganz ehrlich mit Dir zu sein: Ich habe immer von einem Glas gesprochen, aber es wurden sehr oft zwei, drei, vier, fünf, eine Flasche, anderthalb.” Und sie spürte: “Hey Nele, was Du da machst, das ist nicht gut für Dich.” Die Challenge begann.

Ein Dreivierteljahr später bekam ich wieder Post von ihr. Nun schrieb sie mir Folgendes: “Wir hatten im Oktober schon mal Kontakt, als ich gerade meine „1-year-no-alcohol-challenge“ startete und dir ein Dankeschön zu deinem Podcast schickte. Du hast auch ein Zitat mit Bild von mir auf Insta veröffentlicht. Heute wende ich mich wieder an dich, zum einen, um dir nochmals von ❤en zu danken, denn dein Podcast und deine Geschichte sind ein großes Geschenk für mich, und zum anderen, da ich meine Challenge abbreche, am Tag 288.”

Anfang dieser Woche hat Nele den Grund für den vorzeitigen Abbruch öffentlich gemacht. Falls Du ihn lesen möchtest, hier entlang. Und keine Bange, Du wirst danach gestärkt sein, versprochen.