Macht es Dein Mann Dir schwer, nüchtern zu bleiben?

Die Welt ist so ungerecht! Jetzt hast Du schon aufgehört zu trinken, plagst Dich Tag um Tag, überstehst, widerstehst, wartest darauf, dass es leichter wird. Und was macht Dein Mann? Entkorkt die Weinflasche und fragt Dich, ob Du nicht auch mal wieder ein Glas trinken willst. Wieso begreift er denn nicht, wie ernst es ist? Und schlimmer noch: Wieso führt er Dich immer wieder in Versuchung? Wieso unterstützt er Dich nicht?

In meinem aktuellen Instagram-Post geht es um genau diese Situation:

Ela

„Ich war beinahe ein Jahr nüchtern und hatte nie dieses rosa Hoch. Ich war zornig, dass gerade ICH nicht mehr trinken darf.“

Das erzählt mir die 42-jährige @ortnerela. Sie kommt aus Österreich, wo auf jedem Zeltfest getrunken wird, sonntags nach der Kirche und zuhause am Esstisch. Als Teenager ist sie beliebt, weil sie mindestens so viel Bier trinken kann wie die Jungs. Als junge Hotelfachfrau steht sie für Spaß.

„Ich war oft genauso betrunken wie meine Gäste, aber ich konnte noch sicher gehen und reden. Ich konnte sexy tanzen und an guten Tagen sogar singen.“ Sie hat viele gute Tage damals, mit Mitte zwanzig. Ela, die Powerfrau. Ela, die alles schafft. Nicht mal der Alkohol kann sie umhauen.

So vergehen die Jahre. Die guten Tage werden weniger. Irgendwann trinkt Ela, um nicht zittern zu müssen. Dann bricht sie zusammen. Ihr Partner fährt sie in die Klinik. Körperlich geht es ihr danach gut, psychisch nicht. „Ich habe mir diese Nüchternheit nicht erlaubt, ich habe sie mir abverlangt.“ Ela peitscht sich durch ihren Alltag. Noch immer.

In ihrer Partnerschaft kracht es fast wöchentlich. Sie sei nicht mehr witzig, sagt er. Ihr fehle seine Unterstützung, sagt sie. Ob sie nicht doch wieder „kontrolliert“ trinken könne, fragt er. Ob er nicht wisse, wie gefährlich solche Gedanken für sie seien, schreit sie. Dann entdeckt Ela, dass er auf Instagram vollbusigen, in Latex gekleideten Frauen folgt. Sie geht in den Abstellraum, öffnet die Schnapsflasche und trinkt. Ein Glas, zwei, drei… Ein paar Wochen später trinkt sie wieder.

Erst danach erzählt sie ihm von ihren Ängsten. „Die habe ich immer versteckt, als wär’s das Wertvollste, das ich habe.“ Nach all den Jahren zeigt sie ihm, wie verletzlich sie ist. „Dadurch habe ich ihm zum ersten Mal die Chance gegeben, darauf Rücksicht zu nehmen.“ Und er tut es.

„Nicht trinken alleine reicht nicht. Wenn ich meine alten Muster nicht hinterfrage, meine Strenge, meinen Perfektionismus und meine Sehnsucht nach Anerkennung, dann bin ich dem Alkohol noch genauso nah wie am ersten Tag nach meiner Entgiftung.“

Und plötzlich ist da etwas, das schöner ist als jedes rosa Hoch: „Ich verspüre einen Ansatz von Frieden.“

#nüchtern

Wenn Dich Dein Umfeld wieder und wieder dazu bringen möchte zu trinken, dann sage ich Dir jetzt etwas, das am Anfang weh tun wird: Du bist der Schlüssel. Nicht Dein Mann, nicht Deine Mutter, nicht Deine Freunde, nicht Deine Stadt, nicht unsere Gesellschaft. Du bist verantwortlich für Dein Wohlbefinden. Du bist verantwortlich für Deine Abstinenz. Sonst niemand.

Der Trick liegt darin, das zu erkennen und Dich auf Dich zu konzentrieren. Lass die anderen aus dem Spiel. Verabschiede Dich von dem Gedanken, dass sie dafür sorgen müssen, dass es Dir gut geht und fang an, Dich selbst darum zu kümmern. In dem Fall heißt das zuallererst: Stell Dein Denken auf den Kopf. Verändere Deine Geisteshaltung. Das ist die Stellschraube, mit der Du Dein nüchternes Leben zu einem zufriedenen Leben machen kannst.

Wenn Dir der innerliche Sprung von “Ich darf nicht mehr trinken” zu “Ich muss nicht mehr trinken” gelingt, dann hört die Sucht nicht nur auf, Dein Wesen zu verzerren. Dann verändert sich auch, wie die Menschen auf Deine Abstinenz reagieren. Kaum einer wird noch in Frage stellen, dass Du nicht mehr trinkst, weil Du ausstrahlst, was Du fühlst. Weil Du ausstrahlst, dass Du mit Deiner Entscheidung im Reinen bist.

Und selbst wenn Dir doch mal wieder jemand ein Glas Wein aufdrängen möchte – aus welchen Gründen auch immer –, Dir wird es nichts mehr ausmachen. Du wirst dankbar ablehnen, weil Du Dich nicht mehr betäuben, vergiften und kleinhalten musst. Weil Du keinen Sinn mehr darin erkennen kannst, Alkohol krampfhaft in Dein Leben zu integrieren. Weil Du nicht mehr trinken musst. Weil Du frei bist.