Setzt Du Alkohol ein, um Dich kleinzuhalten?

Was würde passieren, wenn Du nicht mehr alles runterschluckst? Wenn Du Dich nicht mehr betäubst, um anderen in den Kram zu passen? Was würde passieren, wenn Du Dich nicht mehr ruhigstellst, sondern schaust, wer Du bist und was Du sein willst, so ganz unbetäubt und pur?

Bei all den Zuschriften, die mich erreichen, habe ich oft den Eindruck, dass Menschen Alkohol einsetzen, um in einer Rolle zu verharren, die schon lange nicht mehr passt – oder noch nie gepasst hat. Die kultivierte Frau, die ihren Mann so toll unterstützt. Der liebe Freund, der sich für andere aufopfert. Der coole Kumpel, der nie böse ist. Oder die unkomplizierte Freundin, die für alles Verständnis hat. 

Findest Du Dich da wieder? Dann trinkst Du wahrscheinlich nur vordergründig, um zu entspannen oder Dich zu belohnen. Dann kann es gut sein, dass der Alkohol schon längst eine ganz andere Funktion erfüllt: Dich kleinhalten. Du trinkst, um zu verbergen, was Du eigentlich fühlst. Du trinkst, um nicht anzuecken. Um bloß nicht den Eindruck zu erwecken, egoistisch zu sein. Der Alkohol dient dazu, Deine Bedürfnisse zu unterdrücken. Und das Schlimme ist: Die Sucht redet Dir auch noch ein, dass Du anderen damit einen Gefallen tust.

Das tust Du nicht. Du bist für manch anderen zwar bequem so, aber einen Gefallen tust Du niemandem. Um zu verdeutlichen, was ich damit meine, möchte ich Dir ein Zitat zeigen. Es entstammt einem Buch, das in der spirituellen Szene so etwas wie ein moderner Klassiker ist: Marianne Williamsons “A Return to Love” bzw. “Rückkehr zur Liebe”.

Unsere größte Angst

Our deepest fear is not that we are inadequate. Our deepest fear is that we are powerful beyond measure. It is our light, not our darkness that most frightens us. We ask ourselves, Who am I to be brilliant, gorgeous, talented, fabulous? Actually, who are you not to be? You are a child of God. Your playing small does not serve the world. There is nothing enlightened about shrinking so that other people won’t feel insecure around you. We are all meant to shine, as children do. We were born to make manifest the glory of God that is within us. It’s not just in some of us; it’s in everyone. And as we let our own light shine, we unconsciously give other people permission to do the same. As we are liberated from our own fear, our presence automatically liberates others.

Die offizielle deutsche Übersetzung finde ich ehrlich gesagt nicht so gut. Deswegen habe ich mir erlaubt, sie etwas abzuändern: 

Unsere größte Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind. Unsere größte Angst ist, dass wir über die Maßen machtvoll sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns am meisten erschreckt. Wir fragen uns: ‘Wer bin ich denn, dass ich brillant, großartig, talentiert, fabelhaft sein sollte?’ Dabei muss die eigentliche Frage lauten: ‘Wer bist Du denn, das nicht zu sein?’ Du bist ein Kind der Schöpfung. Dich klein zu halten, dient niemandem. Es ist nicht ehrenwert, Dich zu verstümmeln, nur um andere nicht zu verunsichern. Wir alle sind dazu bestimmt, zu strahlen. So wie Kinder es tun. Wir sind dazu da, die Herrlichkeit in uns auszuleben. Diese Herrlichkeit existiert in jedem von uns, nicht nur in ein paar Auserwählten. Und dadurch, dass wir unser eigenes Licht leuchten lassen, erlauben wir anderen, das Gleiche zu tun. Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreien, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.

Das ist nicht nur wunderschön, sondern auch wahr. Wobei es Zeit und Durchhaltevermögen erfordert, unser Licht erstrahlen zu lassen. Das geht nicht mit links. Du befreist weder Dich noch andere sofort und auf der Stelle. Aber wenn Du aufhörst zu trinken, gibst Du Dir zumindest die Möglichkeit, das zu tun. Abstinenz ist die beste Voraussetzung, um die Person zu werden, die Du bist. Um zu erleben, wie wunderbar Du bist, mit Deinen Schwächen, aber vor allem auch mit Deinen Stärken.