Trinkst Du Alkohol zur Beruhigung? Dann solltest Du das hier wissen

Du quälst Dich aus dem Bett, bevor die Sonne aufgeht, machst Frühstück, packst Brotdosen, weckst die Kinder. Ab zur Arbeit, Verantwortung übernehmen, souverän bleiben, stark sein. Schon so spät? Kinder abholen, Haushalt schmeißen. Irgendwo dazwischen führst Du noch ‘ne Partnerschaft und kümmerst Dich um Deine Eltern. Dein Leben fühlt sich an wie ein einziges Jonglieren, Umdisponieren und Für-andere-da-sein. “Ich will diesen ganzen Stress dann einfach von mir abfallen lassen, Nathalie. Die ganze Anstrengung einfach mal vergessen”, lese ich oft. Da scheint Alkohol eine einfache Lösung zu sein. Aber ja, Du ahnst es schon: Ist es natürlich nicht.

Alkohol führt zu Depression

Im ersten Moment wirkt Alkohol beruhigend. Das ist eine unumstrittene Tatsache. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Denn dieser beruhigende Effekt hat einen Preis, ein Gegenstück, das sich nicht rausdividieren lässt. Und das heißt Depression. Das eine gibt’s nicht ohne das andere. Ebenfalls Tatsache, aber eine, die wir gern ausklammern. 

In seinem Buch “Alcohol Explained” veranschaulicht William Porter, was Alkoholtrinken für Menschen wie Dich und mich bedeutet: Kurzfristig verschafft es uns Erleichterung. Mittel- bis langfristig entpuppt es sich als Ursache dafür, dass sich unser Alltag überhaupt so schwer anfühlt. Unser Hormonhaushalt gerät dermaßen in Schieflage, dass wir unser Leben immer häufiger wie durch eine verdunkelte Brille wahrnehmen. Das fängt schon mit dem ersten Kater an. Egal wie gut es uns auch ging, als wir getrunken haben, verkatert geht es uns schlechter. Verkatert neigen wir zur Schwarzmalerei:

 “The hung-over mind will always find the most disturbing thing in any panorama and focus on it.” 
– William Porter

Die Folge Deiner Alkoholentspannung ist also, dass es Dir schlecht geht. Wenn es Dir schlecht geht, konzentrierst Du Dich automatisch auf die Dinge im Leben, die nicht gut laufen. Was so ziemlich das beste Mittel ist, damit es Dir noch schlechter geht. So mutieren Herausforderungen zu Monstern und Kleinigkeiten zu ernsthaften Problemen. Überall erscheinen Hürden, Ungerechtigkeiten und Überforderung. Das Tückische ist, dass diese depressiven Phasen meist erst Stunden später einsetzen. Dein Unterbewusstsein verbindet sie dann gar nicht mehr mit dem Alkohol, sondern nimmt sie für bare Münze. Genauso wie es für bare Münze nimmt, dass Alkohol entspannt.

Ach, deshalb ich mein Leben so anstrengend

Also greifst Du nach dem nächsten stressigen Tag natürlich wieder zum Glas. So gewöhnt sich Dein Körper an den Alkohol (eine ziemlich weichgewaschene Phrase für den verzweifelten Versuch, sich vor seiner Vergiftung zu schützen). Du brauchst mehr davon, damit dieser Entspannungseffekt wieder einsetzen kann. Was auf der anderen Seite unserer Beruhigung-Depression-Gleichung dazu führt, dass Du Dich danach noch schlechter fühlst. Willkommen in der Abwärtsspirale. 

Willkommen in einem Leben mit Beklemmung in der Brust, unerklärlicher Angst im Bauch und Sorge im Nacken. Mit dem Gefühl, fremdbestimmt, gehetzt, gereizt und aggressiv zu sein. Willkommen in einem Leben, das immer schwieriger zu werden scheint. Obwohl es das objektiv betrachtet nicht ist. Nein, mit nüchternem Körper, mit unabhängigem Hirn könntest Du all das locker stemmen. Aber die Sucht ist eine dreiste Lügnerin. Erst überzeugt sie Dich davon, dass alles verdammt schwer ist und dann präsentiert sie sich auch noch als Ausweg. Das ist nicht nur dreist, das ist kackdreist.

Die Lösung? Mit dem Trinken aufhören

Was oft einfacher gesagt ist als getan, schon klar. Vor allem diese Phase, in der Dein Hirn lernt, wieder ohne Alkohol zu funktionieren, kann anstrengend sein. Und auch danach ist nicht alles rosarot. Deine Aufgaben und Herausforderungen lösen sich ja nicht in Luft auf. Aber ein gesundes Hirn erkennt Lösungen, anstatt sich auf Probleme einzuschießen. Es ist in der Lage, Dinge vernünftig zu gewichten. Deshalb erscheint alles, was Dich vorher zu zerquetschen drohte, in nüchternem Zustand wieder machbar.

Und das ist einer der schönsten Aha-Effekte überhaupt. Du bist in der Lage dazu, das alles zu regeln und trotzdem Zeit für Yoga und Sauna zu haben. Ja, es kann Dir mit all dem auch gut gehen. Und ja, zwischen all diesen Verpflichtungen gibt es Platz für Träume und Harmonie. Das erfordert Hartnäckigkeit und Geduld, aber es ist möglich. Einem meiner allerersten Programmteilnehmer habe ich mal einen Satz zurückgeschrieben, der sich als sehr wahr erwiesen hat. Ich finde es zwar etwas schräg, mich selbst zu zitieren, aber ich mache das jetzt einfach mal:

“Ohne Alkohol wird Dein Leben nicht einfacher, aber leichter.”
– Nathalie Stüben (jep, schräg)

Aber besser kann ich es nicht formulieren. Genau so ist es und darauf gebe ich Dir mein Wort.


Praktische Tipps und Tricks für die ersten Wochen gibt’s in der neuen OAmN-Folge.
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