Meine Freundin Claudi sitzt hinter mir auf einem Jetski. Es riecht nach Meer, die Sonne scheint auf unsere Teenie-Gesichter. "Claudi, halt dich gut fest, ich fahr jetzt los." "Ok", sagt Claudi. Ich starte, Claudi fällt ins Wasser, wir lachen uns schlapp. Den ganzen Urlaub lang. Noch heute muss ich über diese Situation lachen.
Am Wochenende kam sie mir wieder in den Sinn, als ich eine Masterclass zu Coaching-Interventionen besuchte. Eine der Übungen hieß Galerie der schönen Erinnerungen. Dazu fanden wir uns in Pärchen zusammen und leiteten nacheinander für die andere eine Tiefenmeditation an. Sie versetze mich in eine Art Trance-Zustand, in dem vor meinem inneren Auge ein Gebäude mit verschiedenen Räumen entstand. In einem dieser Räume konnte ich mir ein paar Highlights meines Lebens anschauen.
Bevor ich die Übung machte, war ich sicher, da wird sowas auftauchen wie die Geburt meiner Kinder, Hochzeit, vielleicht mein Studienabschluss. Was stattdessen kam, neben Stefan (Stefan taucht tatsächlich fast immer bei solchen Übungen auf): Erinnerungen mit Freundinnen. Erinnerungen wie diese Szene auf dem Jetski, als ich vor Lachen beinahe selbst ins Meer gefallen wäre.
"Was ist das für ein Gefühl, das du da hattest auf dem Jetski?", fragte meine Übungspartnerin. "Unbeschwertheit", antwortete ich. "Wo sitzt diese Unbeschwertheit?“ Ich atme tief ein und aus. Sie sitzt im ganzen Körper. Sie entlastet meine Schultern, sie kribbelt und funkelt. Sie sprüht vor Lust und Neugier und Freude. "Was für eine Farbe hat sie?" Die von hellem Licht. Sie riecht nach Sonnencreme und klingt nach Lachen.
Ich bin so vernünftig geworden. Was gut ist. Diese Vernunft verschafft mir Freiheit, Selbstbestimmung, Sicherheit. Ich liebe meine Routinen, meine Firma, meine Strukturiertheit. Ich bin zuverlässig und lebensfähig. Ich bin stolz darauf.
Gleichzeitig hat mir diese Übung verdeutlicht, dass ich mich gerade sehne nach diesem Zustand kompletter Leichtigkeit. Mir ist bewusst, dass es den nie wieder geben wird. Aber ein bisschen geht immer. Ein bisschen mehr Fun und Abhängen mit Leuten, die ich liebe, das hole ich mir jetzt mal wieder gezielt in mein Leben. Dazu werde ich:
- Auf dem Fahrrad Taylor Swift hören
- Abends einfach auf dem Sofa sitzen und unser Familientreiben beobachten
- Mit meiner Mitarbeiterin Audrey beim Dreh rumblödeln
- Eis essen gehen
- Die neue Grönemeyer-Doku anschauen und mitsingen
Wonach sehnst Du Dich gerade und was könntest Du tun, um Dir gerade ein bisschen was in Dein Leben zu holen?
Tu es und genieß es.