Newsletter 2. März 2026

Engelbert: "Alkohol hinterlässt Leere statt Lockerheit"

Was tun, wenn der Wow-Effekt zu Beginn der Abstinenz ausbleibt? Wenn Du denkst: Ohne Kater aufwachen ist ja schon angenehm, aber war’s das jetzt?

Meinem Programmteilnehmer Engelbert ging das so. Trotzdem blieb er nüchtern. Heute, drei Jahre später, hat Engelbert in der OAMN Onlinegruppe zusammengefasst, wie viel sich in seinem Leben rückblickend verändert hat. Einen Auszug aus seinem Beitrag darf ich hier mit Dir teilen:


Engelbert

Körperliche Gesundheit

Die ersten sechs Monate? Ehrlich gesagt: Keine Wunder. Aber mit der Zeit passierte etwas:

  • Mein Schlaf ist spürbar erholsamer.
  • Meine Muskulatur fühlt sich nicht mehr permanent übersäuert an.
  • Die grundlose Müdigkeit hat sich gefühlt um 80% reduziert, die regelmäßigen Kopfschmerzen auch.
  • Mein Hautbild weist weniger rote Flecken auf, mein Gesicht wirkt klarer.
  • Mein Körper fühlt sich stabiler und belastbarer an.

Mentale Entwicklung

Vor dem Aufhören habe ich schon gespürt, dass meine kognitiven Fähigkeiten nachlassen und etwas “nicht stimmt” mit mir. Ich habe mir ernsthafte Sorgen um meinen Beruf gemacht. Heute fühlt es sich wieder normal an:

  • Mental bin ich wieder vollständig “da”.
  • Meine Merkfähigkeit und Konzentration sind zurückgekehrt.
  • Ich fühle mich wacher, präsenter und strukturierter. Das ist unbezahlbar.

Soziales Umfeld

Die überwiegende Mehrheit meines Freundes-, Familien- und Bekanntenkreises hat skeptisch oder irritiert reagiert, was ich so nicht erwartet habe. Mittlerweile hat mein Umfeld verstanden, dass ich nicht mehr trinke, aber ich meide Veranstaltungen mit Alkohol häufig. Früher habe ich unangenehme Gefühle oft “weichgespült”, heute kommen sie ungefiltert an. Das bedeutet:

  • Ich wähle bewusster, mit wem ich Zeit verbringe.
  • Ich entscheide klarer, welche Beziehungen ich pflege und welche Kontakte ich loslasse.
  • Ich trage Konflikte aus, wenn sie mir wichtig genug sind.
  • Nüchternheit zwingt zu Ehrlichkeit – vor allem mit mir selbst.

Allgemeine Gedanken

Natürlich gibt es Momente, in denen ich denke: Jetzt einfach auf Knopfdruck locker sein, das wär’s. Aber wenn ich ehrlich zurückblicke, hat Alkohol in den letzten Jahren meines Konsums ohnehin kaum noch Lockerheit ausgelöst, nur Leere. Heute weiß ich:

  • Sehnsucht nach Kontrollverlust ist eigentlich Sehnsucht nach Entspannung, Loslassen und Nähe.
  • Nüchtern verschwindet diese Sehnsucht nicht, aber ich begegne ihr bewusst.
  • Was stattdessen auf einer tieferen Ebene wächst, ist etwas viel Wertvolleres als “Realität vergessen”: Akzeptanz, Selbstrespekt und Liebe.

Ich bin immens dankbar, diesen Dämon, der mir so viel Zeit und Energie geraubt hat, hinter mir gelassen zu haben. Mein Leben ist heute so viel besser. An alle, die sich tapfer diesem lohnenden Thema stellen: Viel Mut und Erfolg. Es zahlt sich aus!


In meinem aktuellen “Gesichter hinter der Sucht” Video erzählt Suchttherapeutin Alina, wie sie sich jahrelang aus ihrem eigenen Suchtproblem “rausverglichen” hat. Denn es gab ja immer jemanden, der mehr trank, härter feierte, schlimmer abstürzte.

Alina hält übrigens auch OAMN Liveklassen, die nächste am 18. März zum Thema "Ängste und Unsicherheit in der Abstinenz". Wenn Dich das interessiert: Hier findest Du Infos zu den Liveklassen und zum OAMN Abo.