Newsletter 26. Januar 2026

Philipp: "Augen zu und durch" | Woche 3

Wenn der Alkoholnebel sich auflöst, kehren echte Gefühle in Dein Leben zurück, sowohl die angenehmen als auch die schwierigen. Zu letzteren zählt die Scham. Und sollte die sich für Dich manchmal erdrückend anfühlen: Vielleicht hilft es Dir ja zu wissen, dass Du damit nicht allein bist und dass Du lernen kannst, mit all diesen schwierigen Gefühlen umzugehen. Hilfsmittel dafür gebe ich Dir in meinen Programmen an die Hand.

Mein Programmteilnehmer Philipp schrieb meinem Team nach seiner dritten nüchternen Woche:


Philipp

Das sind die bisher längsten 22 Tage seit gefühlt vier Jahren. Und gleichzeitig vergingen sie aber auch wie im Flug. Echt ein komisches Gefühl irgendwie, ganz schwer zu beschreiben.

In den letzten Tagen kamen mir durch die Klarheit und Nüchternheit immer mehr Situationen und Momente in den Kopf geschossen, die zu Trinktagen passiert sind und mir so unfassbar peinlich sind, dass ich sie am liebsten für immer vergessen und wegsperren möchte. Die Erinnerungen an diese Momente kommen regelmäßig an den Orten, an denen ich fast täglich vorbei muss. Das macht es derzeit noch umso schwerer, damit umzugehen. Aber okay, gehört ja dazu, habe ich gelernt. Also Augen zu und durch. Das wird mich auf jeden Fall noch eine Weile begleiten, denke ich.

Ich mag meine abendliche Müdigkeit, ohne künstlich "aufgeputscht" zu sein. Und auch mein Schlaf ist echt gut. Nicht immer, klar, aber immerhin überwiegend gut. Ich komme trotzdem noch nicht so gut aus dem Bett, wie ich mir das gewünscht hätte. Ich trinke auch unfassbar viel Tee, manchmal direkt mehrere hintereinander. Ich weiß nicht, ob ich das aus neuer Gewohnheit mache oder ob’s als Ausgleich zur Flasche oder dem Glas dient. Was mir aber mittlerweile richtig gut gefällt: Essen. Der Geschmack, der Appetit, das Zubereiten – das habe ich echt für mich entdeckt!

Am Wochenende jetzt waren die Cravings abends bei Sturm, Regen und Kälte teils echt krass. Die Abende sind im Großen und Ganzen aber schon viel routinierter und entspannter. Ich suche mir immer kleine Aufgaben und Tätigkeiten, die ich bisher ewig vor mir hingeschoben habe und erledige sie. Das lenkt mich meistens gut ab. Und schwupps sind die Stunden, die vorher ewig erschienen, schon vorbei und das Bett ruft.

Ich hoffe sehr, dass ich diese Routinen auch auf Dauer einhalten kann und mein Kopf sich langsam aber sicher darauf einstellt. Das scheint nach und nach besser zu klappen. Manche Tage und Abende sind natürlich schwerer als andere, aber es wird. Und das gibt mir mehr und mehr Ansporn weiterzumachen.


Nächste Woche gibt’s den letzten Teil der Serie. Falls Du die ersten beiden Erfahrungsberichte nochmal nachlesen möchtest, hier findest Du Philipps Woche 1 und hier Woche 2.

Wenn Dich Geschichten wie diese inspirieren, könnte Dir auch meine YouTube-Reihe "Gesichter hinter der Sucht" gefallen. Dort sprechen ganz unterschiedliche Menschen über ihre Alkoholvergangenheit, ihre Beweggründe für ein nüchternes Leben und ihren Weg in die Abstinenz. Hier geht’s zur Playlist.