08.05.2021

Franziska: „Es lohnt sich“

Hier kommt wieder ein Schwung an Gründen, warum sich ein nüchternes Leben mehr als alles andere lohnt. Und während Du die Warums meiner Teilnehmer:innen liest, überleg doch mal, wo Du Dich in ihren Geschichten wiederfindest. Denn: Nach Unterschieden suchen führt zu Ausreden. Auf Gemeinsamkeiten achten, das bringt Dich weiter.

Warum wolltest Du aufhören zu trinken?

Heike

Ich hatte schon oft versucht, mit dem Trinken aufzuhören. Da gibt es nämlich so einige Gründe, z.B. dass ich einfach keinen Kater mehr haben will. Lieber möchte ich körperlich und geistig wieder fitter sein. Frei sein vom Gedanken, dass nur der Alkohol mir gute Laune verschafft und mich entspannen lässt. Ich möchte klar – und zwar kristallklar! – denken und ein gutes Vorbild für meine Kinder sein. Ich will mich nicht mehr über mich selbst ärgern und enttäuscht sein, es mal wieder nicht geschafft zu haben, nicht zu trinken. Stattdessen will ich ausgeglichen und authentisch sein und niemandem mehr was vorspielen. Außerdem will ich jederzeit Auto fahren können. Ich will endlich aus der Passivität raus und wieder aktiv werden.

Silke

Ständig diese innere Stimme, die mir immer häufiger gesagt hat, dass mein Umgang mit Alkohol in eine gefährliche Schieflage geraten ist, die aber leider bei der nächstbesten Gelegenheit immer wieder verstummte. Das Weißweinschorlchen am Abend und zu Feiern, der Schnaps zur Verdauung am Wochenende… das war für mich einfach Lebensqualität. Rückblickend ist das natürlich der reinste Selbstbetrug gewesen. Als ich anfing, in Stresssituationen zum Glas oder Fläschchen zu greifen und das auch ab und an heimlich zu tun, wurde mir klar, dass ich etwas unternehmen muss und so nicht mehr weitermachen kann. Jetzt betrog ich nicht mehr nur mich, sondern auch die Menschen, die mir am Herzen liegen. Nüchtern fühle ich meine alte Fröhlichkeit und meinen Tatendrang zurückkehren und das ist einfach nur schön!

Christian

Ich habe vorher nach meiner „Regel“ gelebt, nur zu trinken, wenn ich am nächsten Tag nicht arbeiten muss. Durch Corona musste ich aber viel weniger als früher arbeiten. Das war ein Problem. Es wurde mehr. Und auch früher, als ich „nur“ am Wochenende getrunken habe, war die ganze Woche über unbefriedigend. Montag bis Freitag waren ein „Überstehen“, bis ich endlich wieder trinken „darf“. Dabei habe ich die Momente und Augenblicke, in denen ich mich gerade befinde, überhaupt nicht wahrgenommen. Da ich nun entschieden habe, alkohlunabhängig zu sein, fällt diese einengende Fixierung komplett weg. Ich darf meinen Tag nun leben und wahrnehmen, mit allen kleinen Momenten. Ich habe jetzt die Chance, mein Dasein neu zu füllen. Ich tue das jetzt für mich! Ich tue das, damit ich nicht mehr gereizt sein muss. Ich tue das, damit ich frei bin. Ich tue das, damit meine Kinder einen unabhängigen, ausgeglichenen Vater haben.

Dani

Seit ich denken kann, waren meine Urlaube von Alkohol bestimmt. Da hatte man die „Erlaubnis“, sich schon mittags das erste Gläschen zu gönnen. Es gab Tage, da habe ich außer dem Kaffee am Morgen nichts Antialkoholisches zu mir genommen. War halt Urlaub. Heute wandere ich glücklich – mit klaren Kopf und mit bester Laune – Strecken, die mich früher fertig gemacht hätten. Frühmorgens sehe ich, wie die Mitcamper leere Weinflaschen zum Container bringen. Mittags auf der Alm sehe ich die Menschen mit Bier in der Hand. Abends sehe ich wieder die vollen Weingläser. Und ich? Ich bin so dankbar, dass ich nüchtern bin! Und soooo dankbar, dass sich das auch so anfühlt! Frei und glücklich. Es fühlt sich eben nicht nach Verzicht an. Davor hatte ich Angst! Und meine Sorge war unbegründet.

Franziska

Ich, vor zwei Jahren um 17 Uhr: auf dem Sofa fläzen, Prosecco schlürfen und Chips futtern. So bis 18 Uhr, dann gemütlich Abendessen kochen und dabei noch ein Sektchen schlürfen. Mein Mann kommt später – ach, was soll’s, öffnen wir doch noch eine Flasche. Ja, und dann… den restlichen Verlauf des Abends kennen wir alle.

Ich, heute um 17 Uhr: Turnschuhe anschnallen und ne Runde joggen gehen. Das Frühlingswetter genießen, und die Schokoriegel die ich im Büro gefuttert habe, abtrainieren. Was für ein Feierabend! Für alle, die gerade kämpfen: gebt nicht auf, es lohnt sich!


Das kann ich nur unterschreiben. Das Gefühl von Kampf und Verzicht weicht nach und nach dem Gefühl von Selbstbestimmung. Mach weiter, Schritt für Schritt.

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