01.05.2021

Kai: „Chic verpacktes Gift“

Das Auffälligste bei den Vorher-Nachher-Fotos meiner Programmteilnehmer:innen ist die Veränderung in den Augen. Dort zeigt sich eine Klarheit, eine Tiefe und eine Zufriedenheit, die mich immer wieder umhaut. Vor allem im Vergleich zu vorher. In diesen Augen zeigt sich nicht nur, wie sich Körper erholen. In ihnen spiegelt sich auch, wie erfüllend es sein kann, innerlich klarer, tiefer und zufriedener zu sein. Dieser Blick entspringt ganz oft auch einer neuen Geisteshaltung, einer neuen Sicht aufs Leben.

Zu seinem “Abstinenzjubiläum” hat mein treuer Podcasthörer Kai auf Facebook einen Bericht veröffentlicht, der diesen Wandel wunderschön beschreibt. Ich darf ihn hier mit Dir teilen.

Klarer. Fitter. Nüchtern.

Heute bin ich stolz und dankbar zugleich, denn ich habe einen Meilenstein erreicht. Seit genau einem Jahr trinke ich keinen Alkohol mehr. Aus meiner anfänglichen Challenge „50 Tage keinen Alkohol bis zum nächsten Urlaub“ sind 365 Tage geworden.

Am 20. April 2020, dem ersten Tag der Challenge, habe ich angefangen, mein Verhältnis zu Alkohol zu reflektieren und mich seitdem sehr intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt. Bei der Reflexion ist heraus gekommen, dass mir Alkohol nie gut getan aber viele Dinge vorgegaukelt hat. Bis letztes Jahr ging ich davon aus, dass Alkohol mich entspannt, lustig macht, mir Ängste und Hemmungen nimmt oder einfach dazugehört. Über 40 Jahre hat die Volksdroge Nr. 1 mein Leben begleitet. Ich habe sie regelmäßig konsumiert – mal mehr, mal weniger – aber immer, ohne mir großartig Gedanken darüber zu machen.

Ich habe Alkohol getrunken, wenn ich Stress hatte (runterkommen) oder wenn ich zum Abendessen gegangen bin (gehört zu einem guten Essen dazu). Ich habe Alkohol getrunken, wenn ich Erfolge gefeiert habe (lasst uns darauf anstoßen) oder wenn ich traurig war (Gefühle betäuben). Ich habe Alkohol getrunken, wenn ich einsam war und/oder mit meinen unternehmerischen Entscheidungen alleine da stand (Ängste überdecken). Ganz früher habe ich Alkohol auch vor Dates getrunken (Hemmungen nehmen), und ich habe Alkohol sogar getrunken, wenn ich gelangweilt war (was soll man sonst tun?). Ich habe Alkohol in Gesellschaft und alleine getrunken. In meinem Gehirn gab es zahlreiche Verknüpfungen mit Alkohol, zum Beispiel: Strandbar auf Sylt = Rosé, Biergarten in München = Weißbier, Dachterrasse eines schönen Hotels = Gin Tonic, Premiumklasse einer Airline = Champagner, Besuch eines thailändischen Restaurants = Mai Thai, Mittags vor der Schumanns Tagesbar = Aperol Spritz. Diese Verknüpfungen habe ich nun alle aufgelöst.

In den 40 Jahren, in denen ich Alkohol getrunken habe, hatte ich nie ein „Problem“ damit, weder gesellschaftlich noch am Arbeitsplatz oder mit meiner Gesundheit. Ein Thema, das ich jedoch mit Alkohol hatte, war, dass ich den Konsum nicht steuern konnte, wenn ich einmal mit dem Trinken begonnen hatte. Ich konnte nicht in ein Wirtshaus gehen und ein (1!) Bier zum Abendessen trinken. Es wurden regelmäßig drei, manchmal vier oder auch fünf. Über die Jahre hatte es der Alkohol geschafft, sich in meinem Kopf zu verankern. Er rief regelmäßig: „Hey, nimm mich“, und ich habe zu häufig nachgegeben. In den Büchern, die ich über das Thema gelesen habe, wurde oft ein Satz erwähnt, der auch für mich galt, nämlich: „One is too many and ten are not enough“. Auch wenn es bei mir nicht ganz so krass war und ich „ten“ wahrscheinlich mit „three or four“ ersetzen muss, so konnte ich mich doch sehr mit diesem Satz identifizieren.

Heute bin ich frei von den Verknüpfungen und von dem Verlangen nach Alkohol; beides wird vom Unterbewusstsein gesteuert. Diese Freiheit fühlt sich großartig an. Heute weiß ich, dass Alkohol nicht entspannt, dass Alkohol mich nicht lustiger macht, dass mir Alkohol keine Hemmungen oder Ängste nimmt. Das Gegenteil ist der Fall. Alkohol hat jahrelang einen Deckel auf all die wertvollen Stimmungen und Gefühle gesetzt, die ich heute so viel intensiver erleben darf. Alkohol hat mir oft sehr viel Energie geraubt und mich daran gehindert, mich mit wichtigen Dingen auseinander zu setzen.

Mein Leben ist heute so viel reicher und klarer. Treffen mit Freunden sind lustiger, Urlaube viel schöner und erlebnisreicher, Entscheidungsfindungen einfacher usw. Ich vermisse nichts! Ich habe hundertmal mehr Energie, ich schlafe tausendmal besser und ich bin einfach immer fit und mache heute viel mehr Sport. Das einzige, was ich bedauere, ist, dass ich diese Erkenntnis so spät gewonnen habe. Für mich ist „die schöne Flasche Sauvignon Blanc“, die ich früher so gerne getrunken habe, heute nur noch ein chic verpacktes, abhängig machendes Gift.

Ich weiß am heutigen Tag nicht, ob ich in meinem Leben noch einmal Alkohol trinken werde.
Wahrscheinlich nicht, denn ich möchte nicht, dass dieses viel bessere Leben gestört wird. Und ich möchte zwei Empfehlungen aussprechen: Einerseits gibt es ein sensationelles Buch zu dem Thema: „This Naked Mind“ (auf deutsch „Einfach nüchtern“) von Annie Grace, und es gibt einen tollen Podcast und Youtube-Channel von der wunderbaren, deutschen Journalistin Nathalie Stüben mit dem Namen „Ohne Alkohol mit Nathalie“). Ich bin den beiden Mädels unendlich dankbar für ihr Engagement und ihre klaren Worte.


Wenn es Dir momentan noch unerreichbar vorkommt, länger als ein paar Tage ohne Alkohol durchzuhalten, und wenn Du Dir nicht vorstellen kannst, wie sich dieser andere Blick auf die Dinge entwickelt – probier es doch mal aus. Starte wie Kai mit einer Challenge, zum Beispiel mit 30 Tagen. Wenn Du dabei Unterstützung von mir möchtest, helfe ich Dir supergern. Einfach hier entlang.

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