Wenn Du unangenehme Gefühle jahrzehntelang durch Betäubung ausgeschaltet hast, kann es eine Weile dauern, bis Dein Hirn umlernt. Das Gute ist: Nachhaltige und gesunde Strategien entwickeln sich ebenfalls zum Automatismus, sobald Du anfängst, sie konsequent anzuwenden.
Solltest Du gerade kämpfen, hilft Dir vielleicht ein Text meiner Programmteilnehmerin Alena, den sie letztens in der OAMN Onlinegruppe gepostet hat. Einen Ausschnitt daraus darf und möchte ich hier mit Dir teilen:
Alena
Als ich gerade drei Monate abstinent war, hatte ich einen Tag voller Tiefschläge. Ich fühlte mich über die Maßen erschöpft, beinahe hoffnungslos, entnervt. Ich wollte raus, nur um alles zu betäuben. Mantel umgeworfen, Schlüssel in der Hand, kurzer Blick in den Spiegel. Ich war bereit. Doch ich verharrte.
Ich starrte mir lange in die Augen und fragte mich plötzlich: "Ist das jetzt das Beste? DEINE beste Antwort auf diese Situation? Mehr fällt dir nicht dazu nicht ein? Hast du es nicht satt, diese Einfältigkeit? Wie oft denn noch?" In mir klebte ein Kloß im Hals, Tränen stiegen auf. Ich musste mich setzen.
Was für eine tragische Figur ich doch abgeben musste, die nicht anders konnte, als dem schadhaften Fluchtreflex zu folgen, den sie jahrelang kultiviert hatte. Die sich bei der ersten großen Herausforderung scheinbar hilflos fügte, zusätzliche Anstrengung galt es schließlich zu vermeiden.
Doch das Leben würde nicht aufhören, Leben zu sein. Es würde locken, provozieren und auch fordern. Öfter als mir lieb sein konnte. Und dennoch musste ich eine Wahl treffen. Ein Leben mit oder ein Leben ohne Alkohol.
Ein Leben mit darf aber nicht das Beste sein, das ich zu leisten vermag.
Ich kann mehr.
Ich bin mehr als das.
Mehr als die mit der Chemie im Blut.
Nein, das war keine Bewältigung. Das war Stummschaltung. Ich setzte alles auf Pause – und mich gleich mit. Lebensqualität sah anders aus.
Ich zog langsam meinen Mantel wieder aus. Legte die Schlüssel zur Seite. Stellte mich lange unter die Dusche. Machte mir Tee. Und ging schlafen. Tränen in den Augen.
Am nächsten Morgen wachte ich auf und mich flutete ein Gefühl der Erleichterung. Ich hatte begonnen, mich neu zu definieren. Ohne es weiter benennen zu können, spürte ich, dass ich nicht mehr warten musste. Darauf, einen Entschluss zu fassen. Darauf, mich endlich auf den Weg zu machen. Denn ich war längst unterwegs. Und mochte nicht umkehren.
In meinem aktuellen YouTube-Video fasse ich Dir die Ergebnisse einer Studie zusammen, an der ich mitgearbeitet habe. Es geht darum, dass die Alkoholindustrie mindestens die Hälfte ihres Umsatzes durch Menschen erzielt, die riskant oder hochriskant trinken, während sie sich vordergründig Prävention auf die Fahne schreibt. Wenn Du also ein paar gute Argumente zum Thema "Gesundheitsziele vs. wirtschaftliche Interessen" benötigst: Zum Video geht's hier entlang.