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13.12.2021

Christian: „Mit Klarheit und Dankbarkeit“

Mein Programmteilnehmer Christian schrieb mir vor einiger Zeit diesen schönen, so wahren Satz: „Die Träume, die ich unter Alkoholeinfluss hatte, konnte ich mir zum großen Teil nüchtern erfüllen.“ Um welche Träume es sich bei ihm handelt, darf ich hier mit Dir teilen:


Christian

Ich bin heute bei Tag 120 und lebe gerade folgenden Traum: Für sechs Monate mit dem Camping-Bus durch den Süden. Gerade schreibe ich Dir aus Aix-en-Provence, irgendwann in den nächsten 5-6 Tagen geht es dann weiter nach Westen, dann in die Pyrenäen, dann Nord-Spanien, Madrid, Andalusien, Südküste bis hinter Gibraltar nach Cadiz und dann mal weitersehen. Weihnachten, meinen 60. Geburtstag und Silvester werde ich alleine mit großer Freude bei lauen 20 bis 25 Grad verbringen.

Und: das erste Mal ohne Alkohol! Das ist eine vollkommen neue Erfahrung. Ich bekomme gerade in Frankreich so viele ungläubige Blicke, weil ich keinen Wein zum Essen bestelle. Und dadurch sind die Erlebnisse jetzt umso intensiver, präsenter und bleiben mir auch in Erinnerung.

Alle Themen und Prozesse, die so in mir hochkommen, scheinen sich gerade abzusprechen und sich gegenseitig zuzurufen: Hey, Christian ist abstinent, endlich hört er mal zu – alle mal herkommen! Und so sind natürlich auch alte und verdrängte Erinnerungen sehr präsent auf meiner Reise. Was ich jetzt willkommen heiße und nicht mehr verstecke bzw. wie früher: sofort betäube.

Mein Leben war oft ein Auf und Ab. Und ich erzähle das nicht, um ein paar Streicheleinheiten zu bekommen, sondern weil ich finde, dass man nicht oft genug erzählen kann, dass ein Neuanfang immer möglich ist. Vor allem eben auch ohne Alkohol. Ich habe vor langer Zeit Frau und Tochter bei einem Unfall verloren und war dann der irrigen Meinung, dass das mit Kariere und viel Alkohol auszuhalten sei. Ich habe mein Musikerdasein an den Nagel gehängt und stattdessen in internationalen Konzernen gearbeitet, im Ausland gelebt, und so weiter.

2014 habe ich dann eine erste Kehrtwende gemacht – Spiritualität, Selbsterfahrung und Selbstreflexion –, der Alkohol blieb aber, und mit ihm auch mein inneres Gefängnis. Mir ging es ständig schlechter, aber ich habe immer weiter gemacht. Der Punkt, an dem es reichte, war im Mai 2020 für mich erreicht:

Ich hatte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen sehr viel getrunken. Und am dritten Tag wachte ich nicht in meinem Bett auf, sondern auf dem Sofa. Obwohl ich wusste, dass ich vorher – betrunken – zu Bett gegangen war. Ich muss also wieder aufgestanden sein und im Wohnzimmer nachgetankt haben, denn vor dem Sofa lagen nochmal drei leere Flaschen. Alles sah furchtbar durcheinander aus – und ich hatte in die Hose gemacht. Nach diesem Morgen war ich dermaßen erschüttert und erschrocken, habe stundenlang vor Scham nur geheult und dann den entscheidenen Schritt getan: Langsam durch das Tor gehen, auf dem „Freiheit“ steht.

Seit diesem Tag bin ich nun endlich nüchtern und habe seitdem ständige Glücksgefühle. Meine beiden Engel konnte ich jetzt in Frieden ziehen lassen. Natürlich begleiten sie mich immer. Aber jetzt kann ich das alles aus einer anderen Sicht und Einstellung heraus leben. Mit Klarheit und Dankbarkeit.

Ich kann kaum beschreiben, was für ein tolles Geschenk ich mir selber mit meiner Reise gemacht habe. Ich kann es kaum erwarten, voller Dankbarkeit und lieber Gedanken meinen 60. Geburtstag am Ende dieses unglaublichen Jahres zu feiern. Voller Stolz auf meinen Weg. Ich kann wirklich sagen: Ich bin ein glücklicher Mann! Was da alles noch kommt… WOW!

Liebe, herzliche Grüße aus dem warmen Süden und alles Gute!


Und Du? Wovon träumst Du? Schreib es doch mal auf. Und dann schau, welchen ersten Schritt Du gehen kannst, um es zu realisieren. Dranbleiben und jeden Tag ein bisschen dafür tun. Damit gelingt fast alles – vor allem die Nüchternheit.


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